Int. Kongress Basale Stimulation in Wien 2005
[ 3.-5. Juni 2005 ]
Thema: "Das Leben erleben"
Pädagogoische, therapeutische
und pflegerische Überlegungen
zu dem zentralen Ziel "Sein Leben gestalten".
» Sein Leben gestalten «
VORWORT von Prof. Fröhlich
Wiesbaden, Weimar, Wien – klangvolle Namen; Geist, Kultur, Politik, Ausstrahlung verbinden sich mit diesen Städten.*
Der „genius loci“, der besondere Geist des Ortes, könnte jeweils eine Wirkung auf die Tagungen und Kongresse des internationalen Fördervereins für Basale Stimulation haben. Solche Orte sind aber auch Herausforderung und Ansporn – Stimulation eben.
Wir stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen, vor neuen Entwicklungsaufgaben, auch wir als Professionelle müssen unser berufliches und privates Leben gestalten:
- Leben erhalten und Entwicklung erfahren
- Das eigene Leben spüren
- Sicherheit erleben und Vertrauen aufbauen
- Den eigenen Rhythmus entwickeln
- Das Leben selbst gestalten
- Die Außenwelt erfahren
- Beziehungen aufnehmen und Begegnungen gestalten
- Sinn und Bedeutung geben und erfahren
- Autonomie und Verantwortung leben
Mit den zentralen Zielen, wie sie Christel Bienstein und ich in Salzburg erstmals vorgestellt haben, wird versucht, einer sich damals abzeichnenden Mechanisierung basaler Förder- und Pflegeinhalte entgegen zu wirken. All zu oft begegnete uns das Vorurteil, Basale Stimulation in der Pflege sei mehr oder weniger eine bestimmte Technik des Waschens, in der Pädagogik gehe es um Streicheln und Kuscheln. Natürlich ist Waschen wichtig, natürlich brauchen Menschen Rückzugsräume und körperliches Wohlbefinden. Die zentralen Ziele formulieren deutlich, dass es nicht um die Anwendung bestimmter Techniken, bestimmter Verfahren geht, sondern dass die Befindlichkeit und die Entwicklung des jeweils einzelnen Menschen, sei er behindert oder sei er Patient, im Mittelpunkt steht. Die professionellen Aktivitäten haben sich diesem Ziel unterzuordnen, die Professionellen selbst stellen sich in den Dienst eines Menschen, der in seinen Kompetenzen auf Dauer oder auf Zeit erheblich eingeschränkt ist.
Die verschiedenen Beiträge, Vorträge oder Workshops arbeiten an dieser Sichtweise vom behinderten Menschen, vom Patienten als Akteur seiner eigenen Entwicklung, der angesichts seiner erschwerten Lebenssituation besondere Unterstützung benötigt. Wir machen nicht gesund, wir machen nicht weniger behindert, sondern wir unterstützen Menschen in ihrer eigenen Entwicklung.
Gleichzeitig realisiert dieser Kongress den Anspruch auf transdisziplinäres Arbeiten. Darunter verstehen wir nicht nur das ordentliche Zusammenarbeiten verschiedener Fachdisziplinen an den jeweiligen Berührungsflächen der Berufe, sondern das Zusammenarbeiten mit einem vertieften Verständnis für die Sichtweise und für die Arbeitsweise der Kolleginnen und Kollegen in den Nachbarberufen. Das Konzept der Basalen Stimulation hat sich immer als ein berufsübergreifendes Konzept verstanden, es umfasst die pflegerischen, die pädagogischen, die therapeutischen Berufsfelder, dazu gehört auch die Medizin. Ein ganzheitliches Fördern und Pflegen kann nur dann gelingen, wenn diese Berufsgruppen sich nicht voneinander abgrenzen, keinen Alleinvertretungsanspruch formulieren, sondern wechselseitig ihre spezifischen Kompetenzen nutzen. Auch dieser Ansatz wird in der Wahl der Referentinnen und Referenten sowie der Workshop-Leiterinnen deutlich. Die Kongressorganisation hat für die Vorträge und Workshops Fachkräfte zusammengebracht, die nicht nur von „innen“ aus der Basalen Stimulation kommen, sondern die auch von „außen“ die Entwicklung des Konzepts beobachteten und wesentliche Beiträge leisten können. Damit tragen beide zur Entwicklung des Konzeptes selbst bei. Neuerungen, Weiterentwicklungen und auch Verlassen von Positionen, die sich als nicht tragfähig erwiesen haben, gehört zum „Konzept des Konzeptes“. Auch hier geht es nicht um die Neuerung an sich, es geht nicht darum, „Basale 04“ durch „Basale 05“ modisch zu ersetzen, sondern es geht darum, neues Wissen zu erzeugen, anderes neues Wissen zu integrieren und daraus Schlüsse zu ziehen. Transdisziplinäre Arbeit ist ein Prozess der gemeinsamen Weiterentwicklung theoretischer wie praktischer Aspekte der Basalen Stimulation.
Zunehmend wird deutlich, dass mittlerweile in der Basalen Stimulation sehr viel Wissen und Können zusammengetragen wurde. Es wird darüber hinaus deutlich, dass dies ein Wissen und Können ist, das nicht nur dem ursprünglichen Personenkreis schwerst mehrfach behinderter Menschen bzw. schwerst wahrnehmungsbeeinträchtigter Patienten zu Gute kommt, sondern dass auch andere davon profitieren, wenn sie in schwierigen Situationen sind. Seien dies verhaltensauffällige Kinder, seien dies Menschen in akuten Krankheitssituationen, denen man mehr Orientierung, mehr Unterstützung, mehr Sicherheit bieten kann, ihnen somit Stress nimmt und ihre Selbstgenesungskräfte damit unterstützt.
Es wird sicherlich wichtig sein, diese Sichtweise auszudehnen, „basics“ der Pflege und der pädagogischen Förderung sowie der therapeutischen Arbeit zu formulieren, die dann immer selbstverständlicher in der allgemeinen Pflege, in der allgemeinen erzieherischen Arbeit sowie in der Therapie ihren Platz finden. Daraus lassen sich für die nächsten Jahre umfangreiche Aufgaben ableiten.
Wien als Ort dieses Kongresses hat seine besondere Bedeutung. Es ist an die Basalen Klassen zu erinnern, die seit etlichen Jahren den Namen des Konzeptes in ihrem eigenen tragen und die beispielhafte Arbeit leisten. Schon früh gab es Hospitationen und Besuche aus Wien im Ursprungsort Landstuhl/Pfalz. Das Engagement der Pflegenden in Österreich ist bekannt, mit großer Nachdrücklichkeit wurde an verschiedenen Stellen am Konzept gearbeitet, seine Umsetzung betrieben. Aber auch weiter zurück ließe sich ganz besonders auf Wien als den Entstehungsort der Tiefenpsychologie hinweisen, denn auch von da aus gibt es über Kinderpsychotherapie Ströme, die in die Basale Stimulation einfließen. Der Gedanke des „somatischen Dialoges“ ist von seinem Ursprung her ein psychotherapeutischer. Vieles zum Umgang mit Menschen, die der Sprache nicht oder nicht mehr mächtig erscheinen, bezieht sich auf die Arbeiten der Psychoanalytikerinnen Francoise Dolto und Caroline Eliacheff. Die wichtigen Arbeiten zur Arbeit mit schwerst beeinträchtigten Menschen in Frankreich ist ohne Wien und seine Psychoanalyse nicht denkbar.
Aber auch bedeutende Heilpädagogen sind in Wien tätig gewesen und haben mit ihrem Wirken die Fundamente für die Weiterentwicklung der Heilpädagogik in Richtung des Konzeptes Basale Stimulation gelegt. Zuvorderst ist dies Daniel Georgens, der aus der Pfalz stammte und im 19. Jahrhundert den Begriff Heilpädagogik überhaupt erst prägte, er war dann in der Nähe von Wien tätig.
Ich freue mich sehr, dass ein nach vorne gerichteter Kongress gleichzeitig die Gelegenheit bietet, denen zu danken, die alle Vorarbeit geleistet haben, ohne die das eigene Denken und Tun gar nicht möglich wäre.
Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wünsche ich einen interessanten, anregenden, „stimulierenden“ Kongress, der viele Begegnungen möglich macht, der Entwicklungen in Gang setzt und unterstützt. Wien bietet dazu die besten Voraussetzungen.
* Dabei sind die anderen Orte ohne ‚W’ nicht vergessen! Auch sie haben ihren ‚genius loci’.
Referate Samstag
Zum Leben erwecken …
Über sinnliche und mentale Stimulation und die Bedeutung der heilpädagogischen Beziehung
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Wilfried Datler, Dr. phil., Ao Univ.-Prof., Mitglied der Arbeitsgruppe für Sonder- und Heilpädagogen, sowie Leiter der Forschungseinheit Psychoanalytische Pädagogik am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Er ist Wissenschaftlicher Leiter des Universitätslehrgangs für "Interdisziplinäre Mobile Frühförderung und Familienbegleitung" der Universität Wien.
Die Ausbildung vieler psychischer Strukturen gründet in der lebendigen und explorierenden Auseinandersetzung eines jeden Menschen mit der Welt, die ihn umgibt. Menschen mit schweren Behinderungen sind in ihren Lebenssituationen oft nicht in der Lage, diese Auseinandersetzungen von sich aus in ausreichender Weise zu führen, und benötigen spezifische Formen der Anregung. Bleibt dies aus, so beeinträchtigt dies in erheblichem Ausmaß die Entwicklung vieler Bereiche ihrer Persönlichkeit und behindert die Ausbildung von Vitalität. Spezifische Formen der stimulierenden Zuwendung sind dann gefordert. Vor diesem Hintergrund wird dargestellt, in welcher Weise sich diese Formen der Zuwendung durch "stimulierende Feinfühligkeit" auszuzeichnen haben. Dieser Begriff verweist darauf, dass sich fördernde Bemühungen an die Bereiche des sinnlichen Wahrnehmens zu richten haben, zugleich aber auch auf die Stimulierung mentaler Prozesse. Dieser beziehungstheoretische bzw. interpersonale Ansatz wird mit Beispielen aus der Frühförderung illustriert und mit jüngeren Befunden aus der Psychoanalytischen Pädagogik und Entwicklungspsychologie in Beziehung gesetzt.
Abschließend werden Konsequenzen für Aus- und Weiterbildung skizziert.
Zur Bewertung und Umsetzung der "Basale Stimulation® in der Pflege" in die stationäre Pflegepraxis |
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Christine Schnürer-Amstler, Wien
Hintergrund, Problemlage:
Neue Entwicklungen in der Pflege werden u.a. in Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen vermittelt. Die Untersuchung geht der Frage nach, wie eine neue, exemplarisch ausgewählte Entwicklung in der Pflege - "Basale Stimulationâ in der Pflege" - bewertet wird und welche Faktoren die Umsetzung nach einem dreitägigen Basisseminar beeinflussen.
Methoden:
Nach Beobachtung eines Basisseminars, Durchführung teilstrukturierter Interviews mit BasisseminarleiterInnen und AbsolventInnen und Literaturstudium wurden Forschungsfragen formuliert, ein Fragebogen entwickelt und dieser einem Pretest unterzogen. Der überarbeitete Fragebogen wurde an alle nichtleitenden Pflegepersonen eines Wiener Krankenhaus mit Basisseminar versendet (188 Personen). Die Rücklaufquote betrug 44%. Die Auswertung erfolgte mithilfe des Statistikprogramms SPPS 8.0 durch Deskriptivstatistik, Itemanalyse (mit Reliabilitäts- und Faktorenanalyse) und Varianzanalyse.
Resultate und Schlussfolgerungen:
Identifiziert wurde/n u.a. Gründe zum Basisseminarbesuch, die Umsetzungshäufigkeit der basalen Stimulationsangebote, die Rolle von KollegInnen sowie Führungskräften, die Bedeutung einer Begleitung durch SeminarleiterInnen nach dem Basisseminar und belastende Faktoren wie Zunahme der täglichen PatientInnenaufnahmen und -entlassungen, Unruhe, Unterbrechung der Pflegearbeit. "Basale Stimulationâ in der Pflege" wird als Erweiterung pflegerischen/r Wissens und Handlungsmöglichkeiten u.a. zur Gesundung der PatientInnen, Erhöhung derer Zufriedenheit, Verringerung von Komplikationen sowie der Verweildauer betrachtet.
Zusammenhänge bestehen zwischen Tätigkeitsbereich, Basisseminarbesuch, KollegInnen mit Basisseminar, Umsetzungszufriedenheit, Abteilung, Pflegeorganisationsform, Schulbildung, Geschlecht und den Faktoren der "Bewertung und Umsetzung der Basalen Stimulationâ in der Pflege".
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Die Kompetenzen eines Patienten entdecken und erleben!
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Roswitha Michels
Krankenschwester
Praxisbegleiterin für Basale Stimulationâ in der Pflege
Individualpsychologische Beraterin DGIP
Zitat Alfred Adler:
"..... von allem Anfang an muss der Berater danach trachten, die Verantwortung für die Heilung als Sache des Beratenden klarzustellen."
Durch die Weiterbildung zur Praxisbegleiterin "Basale Stimulationâ in der Pflege" sehe ich mich bestärkt meine pflegerische Handlung und mein pflegerisches Denken angemessen auszuüben. Jeweils in der Verantwortung für den Patienten und durch die Akzeptanz seiner Situation wird mir sein Lebensumstand und seine Situation bewusst.
Die Anwendung des Konzepts " Basale Stimulationâ in der Pflege" geht dahin Patienten und nahe Angehörige pflegerisch zu begleiten. Dieser Gedanke trägt dazu bei, dass das Konzept in seiner Entwicklung angewandt wird, in der Zusammenarbeit mit dem Patienten allerdings individuelle Veränderung erfährt. Erfahrungen, Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten verändern sich und tragen so zu einer Entwicklung des erkrankten Menschen bei. Bei einem von Krankheit bedrohten Menschen scheint mir dies von Bedeutung. In der Pflege des Patienten "Omar, 17 Jahre" war die Anwendung des Konzepts immer wieder eine Herausforderung für den gesamten Pflegprozess.
Das Konzept ermöglichte die Reflexion des pflegerischen Handelns. Es ermöglichte dem Patienten sich neu zu spüren und zu erleben. Jede pflegerische Handlung eine Auseinandersetzung mit den Personen, mit dem Gefühl überleben zu sichern, mit der Fähigkeit Gefühle zu wecken und Beziehungen herzustellen. Die Pflege des Pat. Omar, er ist Ägypter, hat uns gezeigt, das ein ineinander greifendes Zusammenspiel von gegenseitiger Wahrnehmung dafür sorgt mit den Sinnen die zur Verfügung stehen zu arbeiten. Omar ist 17 Jahre als er zu uns kommt. Seine Grunderkrankung allergisches Asthma endete in einem Status, der zu spät erkannt, einen hypoxischen Hirnschaden zur Folge hatte.
Omar, jetzt 20 Jahre alt, lebt heute wieder in Kairo.
Meine Entscheidung konzentriert und fast täglich mit Omar zu arbeiten fasse ich bei der ersten Begegnung. Es war eine Herausforderung für mich diesem Patienten zu begegnen, der erste Anblick war Sympathie für diesen jungen Mann und gleichzeitig das erkennen pflegerischer Vernachlässigung.
Omar sollte 5 Monate bei uns bleiben, begleitet durch seine Eltern, die ratlos und hilflos sind. Sie stehen noch unter dem Diagnoseschock, der auch eine Auswirkung aus Omar hat.
Die Eltern tragen im Verlauf mit dazu bei, dass die Pflege zum Prozess der Gesundung wird. Ressourcen werden abgefordert, die fachkompetenten Personen in der Pflege kommen an ihre Leistungsgrenzen, sie brauchen bald selbst Betreuung.
Ressourcen des Patienten werden entdeckt und genutzt sie werden immer wieder durch aktuelle Ereignisse in Frage gestellt. Omar befindet sich oft an der Grenze von Leben und Tod.
Seine Ressourcen gibt er nicht auf. In schwierigen Situationen kämpft er ums überleben. Nach 5 Monaten Pflege in einem anderen Land wird Omar nach Haus entlassen. Die pflegerische Betreuung wird auf Wunsch der Eltern von uns fortgesetzt.
Omars Entwicklung geht zu Haus weiter, die Pflege- und Förderung des Patienten wird einheimischen Pflegekräften vermittelt. Oft entstehen Missverständnisse, es muss anders geklärt werden, oft ist Omar erschrocken was jetzt geschieht. Die Pflegkräfte müssen lernen diesen Patienten anders wahrzunehmen.
Omar ist dabei eine große Hilfe. Seine Ressourcen sind nutzbar, man kann sich mit ihm absprechen, er versteht nicht nur meine Berührungen, sondern auch die deutsche Sprache. Er lässt sich darauf ein, dass sich etwas verändert, das er hier noch intensiver mitarbeiten muss, er erinnert auch das Gewohnte.
Noch ist Omar auf Hilfe angewiesen. Ich selbst begleite diesen Pflegprozess jetzt 2 Jahre. Die Ressourcen und Kompetenzen des Patienten versetzen mich immer wieder in ein Staunen. Ich erfahre immer wieder was er noch zur Verfügung hat, was noch möglich ist an Entwicklung. Das macht diesen Pflegeprozess so erfahrungsreich und schafft eine Beziehung in der Distanz und Nähe gehalten werden. Inzwischen ist die pflegerische Versorgung einfacher geworden. Der pädagogische Teil des Konzepts gewinnt an Bedeutung, Omar lernt mit eigenen Entscheidungen zu leben.
Diese ermöglichen Ihm in die Zukunft zu sehen.
In meinem Referat über diesen Pflegprozess möchte ich Ihnen Omar vorstellen. Seine Situation fordert die Hilfe einer unmittelbaren Bezugsperson. Aus der heutigen Sicht weis ich, dass ich dies pflegerisch leisten konnte. Es gab aus meiner Sicht nie einen Zweifel an seinen Kompetenzen, nie ein Gefühl des Aufgebens. Zweifel aus der Umgebung, von Ärzten, von Kollegen erhöhte mein Verantwortungsgefühl mit Ihm seinen Weg zu gehen. An seiner Entwicklung möchte ich Sie teilhaben lassen.
Basale Stimulation über ästhetische Erfahrung zur Steigerung der Interaktionsfähigkeit |
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Petra Moser
Lehrerin für Kunst, Deutsch und Chemie, Diplompädagogin, Kunsttherapeutin, Schulische Heilpädagogin.
Bildhauerlehre in Südtirol, Beteiligung an diversen Ausstellungen (Objektkunst). Regiemitarbeit und Bühnenbilder/Ausstattung für Theater und Film. Leitung einer Literaturwerkstatt in der Psychiatrie und Tätigkeit als Schulische Heilpädagogin (CH).
Die Basale Stimulation findet bislang vorwiegend im Bereich der Pflege Anwendung. Wird nun einer inzwischen in der fortschrittlichen therapeutischen Praxis eher gemiedenen Begrifflichkeit der Pathologisierung insofern Rechnung getragen, als man die Grenzen zwischen Gesundheit und Krankheit tatsächlich verschwimmen lässt, so stellt sich die Frage, warum sich nicht auch andere therapeutische Arbeitsfelder dieses erfolgreichen Verfahrens, wie es die Basale Stimulation zweifellos darstellt, bedienen. Wie wird man beispielsweise einem Kind gerecht, das aufgrund mangelnder Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit als geistig stark beeinträchtigt gilt und aufgrund dessen schulisch zurückgestuft wird?
Meine Erfahrungen innerhalb der förderdiagnostischen Arbeit an einer Schule weisen jedenfalls darauf hin, dass es auch hier aussichtsreich ist, gerade im Bereich nicht-verbaler Tätigkeit, nämlich der basalen Stimulation über ästhetische Prozesse anzusetzen. Die gezielte, themengebundene Stimulierung bildnerischer Aktivität, verbunden mit einem reichhaltigen Materialangebot, führte - wie in meinem Beitrag anhand von Bild- und Tondokumenten gezeigt werden soll - zu Produkten (Bildern, Objekten, Zeichnungen), die durch ihre Differenziertheit überraschten. Diese in bildnerischen Strukturen und im subtilen Umgang mit ästhetischen Materialien durch ästhetisches Erleben sich zeigende Differenziertheit konnte zum Ausgangspunkt für neue und erfolgreichere Verbalisierungsversuche werden: Erfahren wurde die Notwendigkeit, das bereits non-verbal Artikulierte im kommunikativen Prozess zu versprachlichen. Das Problem der Mehrung des Wortschatzes erschien dabei ebenso dringlich wie (nach und nach) lösbar, so als bewege man sich auf dem Weg, den Humboldt folgendermaßen beschrieben hat: "In die Bildung und in den Gebrauch der Sprache geht aber notwendig die ganze Art der subjektiven Wahrnehmung der Gegenstände über. Denn das Wort entsteht eben aus dieser Wahrnehmung, ist nicht ein Ausdruck des Gegenstandes an sich, sondern des von diesem in der Seele erzeugten Bildes."
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Willkommen
REFERATE-Sonntag
Das Leben schmecken - Ergebnisse einer Studie |
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Christel Bienstein
Der Lebensalltag aller Menschen ist von der Geburt bis zum Tod von einer sich tagtäglich wiederholenden Tätigkeit gekennzeichnet, sie ernähren sich oder erhalten Hilfestellung bei der Nahrungsaufnahme.
Diese Zuwendung, die ein neugeborenes Kind von seiner Mutter, seinen Eltern erhält prägt sein gesamtes Leben. Wann, wie, wo, mit wem und was gegessen wird ist Ausdruck des kulturellen Hintergrundes ihn den das Kind hineinwächst und diese Erfahrung mit in sein Leben nimmt. Die Verteilung der Mahlzeiten über den Tag, die Art wie die Speisen zusammengesetzt ist lässt erkennen um welche Tageszeit oder ob es sich um einen feierlichen Anlass handelt.
Studien aus Norwegen und Israel belegen die orientierenden und vertrauensfördernden Aspekte der Nahrungsaufnahme, die selbst in Zeiten von Verwirrtheit oder Wahrnehmungsbeeinträchtigung einen zentralen Beitrag zur Alltagsgestaltung behalten. Besonders der erwachsene Mensch kann über die Gestaltung der Nahrungsaufnahme eigenständig entscheiden. Dazu gehört es, dass Menschen, bis auf Ausnahmesituationen, die Nahrung durch den Mund aufnehmen, der in der Lage ist den Geschmack eines Lebensmittels zu ermitteln, dessen Konsistenz, Temperatur und Fließgeschwindigkeit.
Die Zeiten derNahrungsaufnahme ist darüber hinaus häufig Zeiten sozialer Kontakte. Gemeinsam am Tisch sitzen, sich über die neuen Ereignisse austauschen und den weiteren Tagesverlauf planen, kennzeichnen diese menschliche Aktivität. Eine zunehmend größer werdende Gruppe von Menschen sind von dieser erworbenen Erfahrung durch Krankheit oder Behinderung ausgeschlossen. Allein in Deutschland erhalten mehr als 140.000 Menschen auf Dauer eine Ernährung durch eine Sonde (zumeist PEG). Die von der Industrie hergestellte Sondenkost wird mittels verschiedener Aromastoffe angereichert. Vielfach wird die Sondenkost mit Hilfe einer Pumpe appliziert, die in vielen Fällen kontinuierlich eingeführt wird.
Bisher kann die Standardsondenkost in Deutschland verschrieben werden, so dass nur ein geringer Betrag hinzugezahlt werden muss. Allerdings wurde bereits im Verlauf von sieben Jahren dreimal geplant die Rezeptierbarkeit der Standardsondenkost zu streichen.
Dieses würden viele verschiedenen Gruppen von Menschen erheblich treffen.
In einem ersten Schritt untersuchte eine Gruppe von WissenschaftlerInnen der Universität Witten/Herdecke, ob Standardsondenkost selbst hergestellt werden kann und ob diese selbsthergestellte Kost auch für die betroffenen Menschen verträglich ist. es wurde eine internationale Studiensichtung sowie Expertenbefragungen durchgeführt. Die Ergebnisse liegen nun vor und werden im Referat vorgestellt.
Progerie, wenn die Zeit entgleitet - Pflegerische Aspekte im Umgang mit dem betroffenen Kind und seiner Mutter |
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Christa Werginz Diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester
- geboren in Kärnten,
- dort viele Jahre in der Geriatrie als Pflegehelfer tätig
- derzeit beschäftigt im Geriatriezentrum am Wienerwald
- Zusatzausbildung in Sterbebegleitung und Hospizarbeit
- Tätigkeitsschwerpunkt: Umsetzung von Menschlichkeit im Pflegealltag
Zum Thema:
Im Rahmen der Erlangung des Diploms zur "Diplomierten Gesundheits- und Krankenschwester" an der Krankenpflegeschule Lainz, wählte ich aus persönlichem Interesse das Thema Progerie in meiner Fachbereichsarbeit.
Ich bekam im Anschluss an die Präsentation dieser FBA das Angebot, im Rahmen des Internationalen Kongresses für Basale Stimulation, diese Arbeit einerseits zu präsentieren und andererseits die Krankheit Progerie zu thematisieren. Im Namen der betroffenen Kinder und deren Familien, danke ich der Organisation dieser Veranstaltung dafür und möchte den Besuchern und Teilnehmern diese Arbeit in Form eines Referates mit folgendem Thema vorstellen:
Es ist die Krankheit an sich, die einen gefangen nimmt, gewiss. So wenig bekannt, so geheimnisvoll und selten. Jene mysteriöse Krankheit, über die kaum gesprochen wird, die kaum jemand kennt. Sind es auch nur ca.40 Kinder weltweit, so sind sie es mehr als wert, dass man sich auch im Rahmen dieser Veranstaltung ihrer annimmt.
Durch diese Arbeit kann eine Querverbindung von der Bedeutung der Pflege zu allen anderen Krankheitsbildern geschaffen werden. Denn Pflege, egal wo diese stattfindet, ist immer verbunden mit dem bedürftigen Menschen und seinen Angehörigen, sowie der Zeit die die Pflegeperson mit ihm verbringt.
Dieses Referat gliedert sich in 3 große Bereiche: die Frage nach der Zeit und deren Bedeutung, die Krankheit Progerie, als Modell des Alterns und die Betreuung und Pflege bei Progerie, dem Kind und seiner Mutter gegenüber.
Es ist an der Zeit darüber nachzudenken, welchen Stellenwert Pflege im Besonderen bei Progerie eigentlich hat. Lebensbegleitung bei Progeriekindern, orientiert sich an den Wünschen, Bedürfnissen, Hoffnungen und Ängsten der betroffenen Kinder und deren Eltern. Jede Begleitung von kranken Menschen ist ein Geschehen, welches berührt. Ein Stück des Weges mit den Menschen mitzugehen, hinterlässt auch immer Spuren im eigenen Leben. So wie die Gesichter, die Stimmen und die Geschichten der Progeriekinder.
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KCI Pause
Bilder zu den Workshops
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Wanderpokal
Verborgenes in der Wahrnehmung von Wachkkoma-Patienten |
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H.-J. Hannich Institut für Medizinische Psychologie, Universität Greifswald, Deutschland
Patienten im Wachkoma zeichnen sich auf den ersten Blick durch ihre Unerreichbarkeit für andere Menschen aus, indem sie sich den gewohnten und bekannten Formen der Kontaktaufnahme entziehen. Ihre Botschaften an die Umwelt sind nicht eindeutig zuordbar. Sie eröffnen einen großen Raum für Interpretationen, so dass sich der Beobachter von außen nur in Annäherungswerten an den Bedeutungsgehalt der Kommunikation "herantasten" kann.
Die Schlussfolgerungen, die der Außenstehende aufgrund seiner Beobachtungen zum Patienten-Verhalten zieht, unterliegen bestimmten Regeln der Urteilsbildung. Diese sind im wesentlichen dem Beurteiler nicht bewusst zugänglich, sondern entstammen zumeist implizit-vorbewußten Denkbildern. Diese Deutungstheorien stellen das Verborgene in der Wahrnehmung von Wachkoma-Patienten dar, so dass sie ausführlich und beispielhaft beschrieben werden. Es wird gezeigt, dass die Bewusstmachung der impliziten Vorstellungen und Urteilsmodelle zum Wachkoma-Patienten zu einer erweiterten und gleichzeitig integrierten Sicht auf den Patienten führen kann.
DANKE von Fr. Hatz-Casparis |
Ganz herzlich bedanke ich mich bei allen Helfern und Mitarbeitern, die es ermöglicht haben, diesen interessanten, umfassenden, interdisziplinären Kongress aus der Basalen Stimulationâ entstehen zu lassen, zu planen und organisieren, ihn so einmalig zu gestalten.
Ein besonderes Dankeschön gilt
- dem Organisationskomitee aus Wien, für ihren vielseitigen, unerschöpflichen Einsatz und die großartige Organisation.
Michaela Wiedermann, Maria Hinterndorfer, Petra Pasterk, Johann Rannegger, Adi Kampl - Rudolf Rannegger, für sein großes Engagement als Sponsoringbeauftragter
- der Dekogruppe für die kreative Atmosphäre
- den Mitarbeitern der De La Salle Schule für die gute Unterstützung
- dem hilfsbereiten, technischen Betreuerteam
- dem freundlichen Empfangskomitee, mit den Kolleginnen aus der Schweiz
- Karin Kummer für die wichtige Unterstützung in der Geschäftstelle und vor Ort
- Antje Mohr für die Gestaltung der Kongressunterlagen und dem Internetauftritt
- Hubert Jäger für die anfänglichen Beratungen
- dem Präsidium des Internationalen Förderverein Basale Stimulationâ e.V.
Angela Seifert, Marianne Mederer, Andrea Heidsiek, Peter Estner, Matthias Bach
Margrit Hatz - Casparis
1. Vorsitzende Internationaler Förderverein Basale Stimualtion® e.V.
Zusammenfassung


