Landstuhl 2006

Freitag, 26. Mai 2006
Die Reha Westpfalz lädt ab 18.00 Uhr zur Feier
30 Jahre Basale Stimulation® ein.

... da wo alles begann
Rückblicke - Einblicke - Ausblicke
Durch das Programm führte Elke Neu und Elisabeth Pletsch

 

 

 

Samstag, 27. Mai 2006

  • 9.00 Uhr Begrüßung
  • 9.30 Uhr Eingangsstatements der Dozenten
  • 10.30 Uhr Pause
  • 11.00 Uhr Eingangsstatements 2. Teil
  • 12.00 Uhr Mittagspause
  • 13.30 Uhr Vier Workshops zur Vertiefung der Referate,
    mit den Referent/innen, Führung durch die Reha Westpfalz (Referentenrotation)
  • 17.30 Uhr Überreichung des Wanderpokals, die Übergabe des Pokals erfolgte
    durch Maria Hinterndorfer, Wien
    Abschlussworte

Referenten

Dr. Günther Dörr
„Vom Erbarmen zu Verantwortung“
Betrachtungen eines Wegbegleiters
Dr. Andrea Kübler
„Sprach - aber nicht Geist -los“ Fühlen und Denken schwerstgelähmter Patienten
und die Notwendigkeit zur Aufrechterhaltung der Kommunikation
dieser Beitrag fiel wegen Erkrankung der Referentin aus und wurde von
Herrn Gerhard Weixler ,
Schulleiter der Reha Westpfalz übernommen, hier konnten die Teilnehmer/innen eine Führung durch
die Reha Westpfalz erleben.
Stephan Kostrewa
„Basale Stimulation als integraler Bestandteil in der
Begleitung sterbender Dementer“
Willi Zeh
„Basale Stimulation eine Chance für verhaltensauffällige Kinder und
Jugendliche und deren Betreuer in
der Heimerziehung?“

Sonntag, 28. Mai 2006

  • 8.30 Uhr Sonntagskaffee
  • 9.00 Uhr Begrußung und Tagesorientierung
  • 9.15 Uhr Eingangsreferat Lars Mohr, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Heilpädagogischen Institut der Universität Fribourg. Titel: „Zur Sinnorientierung des Zusammenlebens mit
    schwerstbehinderten Menschen -Überlegungen aus christlicher Sicht“
  • 9.45 Uhr Pause
  • 10.15 Uhr Diskussionsrunden in den Fachbereichen Pädagogik, Therapie und Pflege und Praxis:
    Ideen entwickeln, welche mir im Berufsalltag dienen, „Sinn und Bedeutung geben“
    praxisnah auszugestalten, bezugnehmend auf das Eingangsreferat von Lars Mohr
    Gemeinsam reflektieren und visionieren. Moderiert von Prof. Christel Bienstein, Lars Mohr,
    Antonie Haut, Ulrike Reisenberger
  • 11.30 Uhr Rückblick und Ausblick, Danksagung
    und Ausklang mit Prof. Christel Bienstein, Antonie Haut und mit Margrit Hatz-Casparis
  • 12.00 Uhr Ende der Veranstaltung

Referenten

  • Prof.Christel Bienstein
    Basale Stimulation in der Pflege, Rückblick- Einblick-Ausblick
  • Antonie Haut
    Pflegewissenschaftlicher ” Ein- und Ausblick zur Basalen Stimulation
    zum Abschluss der Internationalen Fachtagung “Sinn und Bedeutung geben”
  • Margrit Hatz-Casparis
    Ausblick – Umsetzung Basale Stimulation am Beispiel Spital St.Gallen
  • Lars Mohr, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Heilpädagogischen Institut der Universität Fribourg, Mitglied im Beirat des Internationalen Fördervereins Basale Stimulation e. V.

Bilder:

Abendprogramm/Geburtstagsfeier Ankommen in Landstuhl am Freitag     



30 Jahre Basale Stimulation
Fachtagung „Sinn und Bedeutung geben“ 26. – 28. Mai 2006
Vom Erbarmen zur Verantwortung – Betrachtungen eines Wegbegleiters


Abstract
Wenn ich über meine persönliche und gesellschaftliche Verbindung zur Basalen Sti-
mulation nachdenke, so steht diese - biographisch bedingt - in engem Zusammen-
hang mit scheinbar zufälligen Ereignissen in einer Zeit fundamentalen Wandels: Mit
der Geburt eines behinderten Kindes in meine Familie, mit den positiven und negati-
ven Auswirkungen dieses Ereignisses auf deren Mitglieder. Mit der sich damals an-
bahnenden Entwicklung des Hilfeansatzes der Basalen Stimulation, der es möglich
machte, für Kinder, die wegen ihrer außergewöhnlichen und mehrfachen Behinde-
rungen bisher nur Gegenstand mitleidvoller Zuwendung, nicht aber der Annahme ih-
rer Individualität waren, Erfahrungsfelder zu öffnen, die sie zu Subjekten, zu Han-
delnden und Teilnehmern am sozialen Leben machen. Mit der Entscheidung meiner
Frau für einen neuen beruflichen Weg, der sie zu diesen Kindern führte. Mit meiner
eigenen Einbindung in den Bundesverband für Körper - und Mehrfachbehinderte, für
den Basale Stimulation zu einem entscheidend neuen Weg der Begegnung wurde.
Mit der inhaltlichen Verbreitung, Verbreiterung und Vertiefung ihrer Basis, mit der
Ausweitung des Adressatenkreises und der Entwicklung zum sozialpolitischen An-
spruchsteller . All dies entsprang einer sich aufdrängendes Notwendigkeit, die Sache
der Menschen mit Behinderungen fortzuentwickeln, insbesondere der Schwerst - und
Mehrfachbehinderten, ihr ein Menschenbild zugrunde zu legen, das mit der defizitä-
ren Sichtweise behinderter Menschen radikal bricht. Nur so konnten die geistigen
Grundlagen der Basalen Stimulation gelegt werden, die mit einem Wandel der Lei t-
bilder in den letzten hundert Jahren verbunden waren: Stand am Anfang die caritativ-
fürsorgerische Anstaltsbewahrung de s behinderten Menschen, folgte bis in die späte
Nachkriegszeit die Epoche der Ausschöpfung rehabilitativer Chancen, so setzte sich
in den letzten 30 Jahren emanzipatorischer Drang durch, zunächst misstrauisch be-
obachtet, dann kritisch begleitet, heute aber eindeutig anerkannt als der Königsweg
zur sozialen Integration, der von immer mehr jungen und alten Menschen mit Behin-
derungen selbstbewusst beschritten wird. Die Entwicklung geht weiter. Sie wirkt sich
gleichermaßen auf alle anderen Zusammenhänge des Miteinanders aller Menschen
aus. Um es auf einen Punkt zu bringen: es ist ein Weg zu weisen hin zu Lebensfor-
men, in denen Autonomie eines jeden Menschen nicht Ziel, sondern Grundannahme
ist, die den Glauben an eine von außen zu steuernde Entwicklung ersetzt durch das
Vertrauen in eine zukünftige Gesellschaft, in der alle Menschen teilhaben an der
Normalität jeglicher Form des Menschseins. Inklusion nennt man das. Sie ist eine
Utopie, aber es lohnt sich, alles zu tun, um ihr näher zu kommen.

Dr. phil. Dörr.


Basale Stimulation®,
eine Chance für verhaltensauffällige
Kinder und Jugendliche und deren Betreuer
in der heilpädagogischen Heimerziehung.

Willi Zeh und Ursula Erndt Kinder- und Jugendheim St. Rafael,
67317 Altleiningen


Das Kinder und Jugendheim St. Rafael, ist eine
Jugendhilfeeinrichtung mit angeschlossener Sonderschule für
lern- und verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche. Es bietet
einem Klientel deren Betreuung in der eigenen Familie, Schule
nicht mehr gewährleistet werden kann auf Zeit ein neues Zuhause.
Vernachlässigungen, Misshandlungen, sexueller Missbrauch sind die
meist genannten Gründe einer Heimeinweisung.
Die pädagogischen Interventionen in unserer Heimgruppe sind in
den Schwerpunkten verhaltenstherapeutisch orientiert,
sowie nach dem lösungsorientierten Ansatz nach De Shazer
ausgerichtet.
Beide Ansätze reichen nach unserem Ermessen, durch ihre betont
kognitive Ausrichtung nicht aus, Kindern und Jugendlichen die in
ihrer frühen Entwicklung körperlichen und seelischen Schaden
erlitten haben dahingehend ausreichend zu unterstützen, dass
positives Selbsterleben über körperliche Erfahrungen möglich wird.
Die im Angebot stehenden Fördermöglichkeiten der Basalen
Stimulation® erachteten wir als hilfreiche, sehr gute Ergänzung
auch bewusste Körperlichkeit zu erfahren. Entsprechende
Beziehungsarbeit und personenspezifische Angebote sollten den
Selbstfindungsprozess unterstützen helfen.
So halfen Angebote, auf dem Trampolin, die im Liegen, Stehen
allein oder zu mehreren durchgeführt wurden, dem Klientel sich zu
erfahren und zu spüren, ebenso das Liegen auf Luftballons, oder
das Abrollen über Gruppenkollegen/Innen.
Ein besonderes Augenmerk findet die Berücksichtigung basaler
Fördermöglichkeiten im alltäglichen Zusammenleben. Vom Wecken bis
zum Schlafengehen ergaben sich Möglichkeiten Angebote zu
unterbreiten , die den basalen Bedürfnissen des Menschen Rechnung
tragen und die Selbstannahme unterstützen hilft.
Ob in der Zimmergestaltung, beim Baden, in gemeinsamen Runden,
oder beim Zubettgehen.
Im Ergebnis zeigt sich, dass die Arbeit mit Basaler Stimulation®
bei verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen das
Sozialverhalten auf vielen Ebenen positiv beeinflusst.


„ Ich weiß nicht was soll es bedeuten...“


Basale Stimulation als integraler Bestandteil
in der Begleitung sterbender Dementer


Stephan Kostrzewa (Dipl. Soz. Wiss., exam Altenpfleger)


Abstract:
Fehlen uns im Angesicht des Sterbens und des Todes häufig die Worte und passenden
Verhaltensweisen, so wird die Begleitung eines Sterbenden besonders problematisch,
wenn er an einer Demenz erkrankt ist.
Bei fortgeschrittenem Krankheitsbild ist es dem Erkrankten nicht mehr möglich seine
Wünsche und Bedürfnisse adäquat auszudrücken. Hier obliegt es dann den Begleitern
über einen biographischen und validierenden Ansatz, einen Zugang zum Erkrankten zu
finden. Wenn auch im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf die kognitiven Kompetenzen
zunehmend schwinden, so ist t rotzdem zu bemerken, dass die emotionale
Ansprechbarkeit und die Erlebnisfähigkeit eines demenziell Erkrankten noch lange
erhalten bleiben.
Hier kann nun der Ansatz der Basalen Stimulation sinnvoll den Sterbebegleitungsprozess
unterstützen. Zum einen kann sie eine Form der nonverbalen Kommunikation darstellen,
in dem die Hände und Nähe sprechen lässt, wo die Semantik der Worte nicht mehr
verstanden wird. Zum anderen unterstützt sie notwendige pflegerische Interventionen,
zum Beispiel bei der speziellen Mundpflege Sterbender.
Ein Grundsatz in der Arbeit mit sterbenden Demenzerkrankten, deren Erleben häufig
durch Angst, Unruhe und Suche nach Vertrautem geprägt ist, liegt im Aufbau einer
Beziehung, die durch Sicherheit, Vertrauen und Empathie gekennzeichnet ist .
Der Vortrag belegt mit konkreten Interventionsbeispielen aus der Hospiz- und
Pflegeheimpraxis, wie Basale Stimulation in die tägliche Arbeit mit demenziell Erkrankten
und vor allem in den Sterbeprozess integriert werden kann. Dabei ergänzt die Basale
Stimulation den biographischen und den erlebnisorientierten Ansatz in der Arbeit mit
demenziell Erkrankten.


„Sprach-aber nicht Geist-los“
Fühlen und Denken schwerstgelähmter Patienten und die Notwendigkeit zur Aufrechterhaltung der Kommunikation


Dr. Andrea Kübler Uni Tübingen

Dieser Vortrag ist einer Gruppe chronisch kranker Menschen
gewidmet, die durch schwerste körperliche Ausfälle soweit
eingeschränkt sind, dass sie nicht mehr verbal kommunizieren
können. Bei völlig intakter emotionaler und kognitiver
Verarbeitung sind diese Menschen in ihrem gelähmten Körper
eingeschlossen (locked-in).
Denken und Fühlen sind vollständig erhalten, können aber nicht
mehr ausgedrückt werden.
Ich werde eine Gehirn- Computer Schnittstelle vorstellen, die
versucht, Kommunikation auch im Zustand schwerster Lähmung
aufrecht zu erhalten.
Der Locked-in Zustand wird zu den sch wierigsten und furchtbarsten
Situationen gezählt, in die Menschen geraten können.
Die Mehrheit der Bevölkerung geht davon aus, dass Krankheiten, die
zu diesem Zustand führen, aktive Sterbehilfe erlauben,
rechtfertigen oder erfordern.
Das Leben wird in diesem Zustand nicht mehr als lebenswert
angesehen.
Wir haben jedoch festgestellt, dass auch schwerstgelähmte, von
künstlicher Ernährung und Beatmung abhängige Patienten noch eine
zufriedenstellende bis gute Lebensqualität haben.


Bilder:

Eröffnungsrede Samstag      Tagungsatmosphäre und Pausen VertiefungsworkshopsÜbergabe Wanderpokal Rundgang Reha-Westpfalz Regionalgruppen

Skript: Wozu Leben? Von Lars Mohr.


Vortrag Antonie Haut

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